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Quelle: Kirchenmusik Schopfheim
Quelle: Kirchenmusik Schopfheim

Bezirkssynode & Bezirkskirchenrat

Andere als Begabte wahrnehmen

Interview mit Martin Strittmatter, Vorsitzender der Bezirkssynode Markgräflerland

 

Herr Strittmatter, Sie wurden zum Vorsitzenden des Kirchenparlaments im Kirchenbezirk Markgräflerland gewählt. Was wird zu Ihren Aufgaben in diesem Amt gehören?

Zunächst danke ich für das Vertrauen der Synodalen und hoffe, die Erwartungen erfüllen zu können, auch mit dem Hinweis, dass ich als Mitarbeiter des Evangelischen Altenwerkes Lörrach meine beruflichen Verpflichtungen zu erfüllen habe.
Als Vorsitzender der Bezirkssynode sehe ich meine erste Aufgabe, dieses wichtige Gremium möglichst effektiv zu organisieren und verantwortungsvoll zu leiten. Die Größe der Synode stellt hierbei eine Herausforderung dar. Zum einen soll m. E. die Belastung der Synodalen in Grenzen gehalten werden hinsichtlich der Anzahl und Dauer der Sitzungen der Synoden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Synodale weitere Ämter und Verpflichtungen in den Gemeinden inne haben, zum anderen ist hier viel Erfahrung und Wissen vorhanden, die in die verschiedenen Entscheidungen und Überlegungen unbedingt mit eingebracht werden sollten.
Mit der Aufgabe als Vorsitzender der Synode ist die Arbeit im Bezirkskirchenrat verbunden, was neben den regelmäßigen Sitzungen, noch weitere Termine (u.a. Visitationen) mit sich bringt, wie natürlich auch die Absprachen mit dem Dekanat und Dekanin.

Gibt es einen Arbeitsschwerpunkt, für den Ihr Herz besonders schlägt?

Schon allein aus beruflichen Gründen liegt ein großes Interesse im Bereich der Diakonie.
Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, in der Synode Schwerpunkte aus dem Bereich der Ökumene, den Umgang mit Kasualien, Seelsorge oder die thematische und organisatorische Zusammenarbeit von Kirchengemeinden aufzunehmen.
Ob hieraus Arbeitsschwerpunkte entstehen, möchte ich jetzt noch offen lassen. Meine Aufgabe besteht zunächst sicher im Hören und in der eines Moderators, der wichtige Themen aufgreift und weiterführt.

Wo sehen Sie die Herausforderungen in der Entwicklung des noch jungen Kirchenbezirks Markgräflerland für die kommenden Jahre?

Soweit ich es beurteilen kann, hat sich der Kirchenbezirk Markgräflerland insgesamt positiv entwickelt.
Es ist m. E. keine Selbstverständlichkeit, dass die Fusion zweier Kirchenbezirke mit so wenigen Reibungsverlusten gemeistert werden konnte. Dafür sollten wir dankbar sein und darüber dürfen wir auch stolz sein. Zugleich kann es uns Hinweis sein, wie offen unser Kirchenbezirk Markgräflerland sich zeigt für Veränderungen, neue Aufgaben oder ganz allgemein gesprochen den Herausforderungen, die bestehen und entstehen werden. Das macht mich zuversichtlich.
Unmittelbar belasten die vielen Vakanzen und die daraus entstehende Mehrarbeit für Gemeinden und den Bezirk. Sie binden viel Kraft.
Eher mittelbar aber von größter Bedeutung sind Entwicklungen wie demographischer Wandel, die Rolle der Kirche in der Gesellschaft, Kirchenaustritte, Entwicklung der Finanzen, Entwicklung des ländlichen Raumes... um nur einige Stichworte zu nennen, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden.
Hierbei kann es leicht geschehen, dass Kirche und damit natürlich auch unser Kirchenbezirk nur noch mit einem Blick auf Mängel oder Verlorengegangenes betrachtet wird.
So naiv das auch klingen mag, wir sollten uns wieder stärker einen Gabenblick angewöhnen, der den/die andere(n) und der uns selbst als Begabten (auch als Kirchenbezirk Markgräflerland) wahrnimmt. Die Frage: "Was gibt es überhaupt noch?" wird uns hier nicht weiterführen, sondern einfach: "Was gibt es, wo sind unsere Schätze und was kann daraus entstehen?"

Sie haben jüngst gemeinsam mit Dekanin Schäfer das Zukunftsforum der EKD 2014 im Ruhrgebiet unter dem Motto „Informieren, transformieren, reformieren“ besucht. Welche inhaltlichen Anstöße bewegen Sie? Was hat Sie nachhaltig beeindruckt? Welche Inspirationen haben Sie mit in das Markgräflerland gebracht?

Zunächst war es eindrücklich, so vielen engagierten und kompetenten Menschen zu begegnen, die alle an der einen „Sache Gottes“ mitarbeiten. Es kam zu vielen Gesprächen, in denen zwar jeder und jede sein ganz Eigenes beschrieben hat, es zugleich auch ersichtlich wurde, so verschieden sind unsere Situationen nicht.
Insgesamt zeigte sich, dass sich Kirche als Teil der Gesellschaft und ihr zugleich gegenüber der Gesellschaft stehend, den gleichen gesellschaftlichen Umwälzungen unterworfen ist, wie die Gesellschaft insgesamt.
D. h. Kirche bewegt sich, ob wir wollen oder nicht. Individualisierung, Digitalisierung, Globalisierung, demographischer Wandel u.a. sind (inner-) kirchliche und weltliche Themen.
Die alte und immer neue Frage lautet: Wie kann Kirche unter den sich verändernden Bedingungen die Botschaft Gottes weitertragen? Sicher nicht, indem sie die Entwicklungen negiert, sicher nicht, indem sie alle Entwicklungen in sich aufnimmt. In dieser Ambivalenz sind die drei Stichworte des Forums „informieren, transformieren, reformieren“ jeweils Aufgabenstellungen für uns.
Besonders eindrücklich waren mir die Orte an denen die Veranstaltungen des Zukunftsforums stattfanden (Westfalenstadion Dortmund und Stadion Bochum, Jahrhunderthalle Bochum, Schauspielhaus, Bochum, Zechen u.v.a.m.). An den verschiedensten Orten des Ruhrpotts konnte auf sog. weltlicher Seite deutlich sichtbar und spürbar gemacht werden, was Transformieren bedeuten kann. Es geht nicht um Verkleinern und Anpassen, sondern oft genug um Abbruch, Rückschritt, Aushalten und Innehalten, damit Neuorientierung und Neuanfang geschehen kann.
Unsere Aufgabe wird sein, dies in unseren kirchlichen Kontext zu übersetzten. Es wird jedoch nicht nur eine bloße gelungene Sprachübung sein können, sondern zugleich grundsätzliche organisatorische, personelle und wirtschaftliche Prozesse und Veränderungen notwendig machen. Dazu braucht es Wissen (Information), dazu werden einige manchmal auch schmerzliche Transformationsprozesse durchlitten oder besser gesagt durchschritten werden müssen. Kirche wird sich in gewisser Weise neu erfinden, oder im kirchlichen Kontext gesprochen, reformieren. Wie Kirche in 15 oder 20 Jahren aussehen wird, wissen wir heute nicht. Aber als Kirche wird in ihr Gottes Wort der Welt und der Kirche selbst verkündigt, denn die Aufgabe bleibt.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung stellte sicher die Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck dar. Ihn möchte ich zitieren:
„Aber Glaube an Gott ist doch immer auch eine Zumutung für die Glaubenden. Und die Existenz von Glaubensgemeinschaften ist entsprechend eine Zumutung für die Gesellschaft. Es ist die Zumutung, uns mit Maßstäben zu konfrontieren, die oft querstehen zu dem, was wir uns selber so schön ausgedacht oder zusammengebastelt haben.“

In meinem Amt als Vorsitzender der Bezirkssynode hoffe ich nicht eine Zumutung für die Synodalen zu sein und doch Teil der Zumutung für Welt und Kirche zu werden.

 

Das Interview führte Anja Bremer-Walkling
Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck anlässlich des Zukunftsforums der EKD 2014
Presse zur Wahl Martin Strittmatters

 

Bezirkssynode

 

Seit 1. Januar 2010 gibt es den Kirchenbezirk Markgräflerland, er ist einer der größten in unserer Landeskirche. Dementsprechend hat die Synode auch viele Mitglieder: ca. 120. Nur wenige kirchliche Räume (außer den Kirchengebäuden selbst) bieten genügend Raum, um die Bezirkssynode aufzunehmen. Sie kam schon in Schloss Beuggen, im Schopfheimer Gemeindehaus, im Saal der Alten Feuerwache und im Paul-Gerhardt-Saal der Christuskirche in Lörrach zusammen. In der Regel trifft sich die die Bezirkssynode zweimal jährlich, dazu kommen noch 1–2 Sitzungen der Synodalen der jeweiligen Regionen (Schopfheim, Lörrach-Rheinfelden, Weil-Kandertal-Rebland).

Martin Strittmatter, Leiter des evangelischen Altenwerks Lörrach, wurde im April 2014 zum neuen Vorsitzenden der Bezirkssynode gewählt und leitet künftig das evangelische Kirchenparlament auf Bezirksebene. 

Bezirkskirchenrat

 

Die Bezirkssynode wählt aus ihrer Mitte eine vorher festgelegte Anzahl theologischer und nichttheologischer Mitglieder in den Bezirkskirchenrat.
Außerdem gehören der bzw. die Dekanin und der bzw. die Stellvertreter/in, der bzw. die Schuldekan/in und der bzw. die Vorsitzende der Bezirkssynode dem Bezirkskirchenrat kraft Amtes an.

Die Zahl der gewählten Mitglieder soll die Anzahl der kraft Amtes angehörenden übersteigen. Ebenso soll die Zahl der nichttheologischen Mitglieder die Zahl der theologischen Mitglieder übersteigen. Der Bezirkskirchenrat tritt mindestens viermal im Jahr zusammen. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Der Bezirkskirchenrat (BKR) berät und beschließt entscheidende Fragestellungen des kirchlichen Lebens. Eine Gemeinde sucht einen neuen Pfarrer/eine neue Pfarrerin - die Ausschreibung wird im BKR diskutiert. Strukturelle Veränderungen werden in den Grundlinien dort beraten, sowie inhaltliche Schwerpunkte der nächsten Jahre entwickelt. Der Haushalt wird vorbereitet und die Visitationen werden von den Mitgliedern des BKR durchgeführt.

Die Arbeit in diesem Gremium ist recht Zeit aufwändig. Aber die Frauen und Männer, die dieses Amt gegenwärtig innehaben, sind mit viel Freude und Tatkraft dabei. Und sie wissen: Ohne ihren Einsatz gibt es keinen Bezirk und seine Leitung.      

 

 
Infos
Quelle: Martin Strittmatter
Vorsitzender der Bezirksynode
Martin Strittmatter
Kontakt über Dekanatsbüro
Was ist eine Synode?

Eine Synode kann man am ehesten mit einem Parlament vergleichen (allerdings gibt es in diesem „Parlament“ keine Parteien): Synodale sind Vertreter/Vertreterinnen der einzelnen Gemeinden, per Wahl und Abstimmung treffen sie wichtige Entscheidungen für den Kirchenbezirk. So wählen sie Dekan/in und Schuldekan/in, bilden durch Wahl den Bezirkskirchenrat, also die „Regierung“ und beschließen alle zwei Jahre den Haushalt des Bezirks.

Aufgaben des Bezirkskirchenrats

Er verwaltet das Vermögen der Kirchenbezirks, ist für die Dienstverhältnisse von Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern zuständig, vermittelt und schlichtet, wenn Streitigkeiten zwischen Gemeinden, Kirchenältesten, Pfarrern/Pfarrerinnen auftreten, wirkt bei Visitationen mit.